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4-GHz-Richtfunkstrecken im Aufbau. Zwischen München und Stuttgart wurde Mitte Dezember vergangenen Jahres die erste Richtfunkstrecke im 4-GHz-Bereich (A = 7,5 cm) mit je einem Hf-Band für ein abgehendes und ein ankommendes Fernsehprogramm in Betrieb genommen. Im Januar wurde die Anlage um zwei weitere Hf-Bänder erweitert; diese erlauben die Über- tragung von weiteren 600 Ferngesprächen und bieten außerdem eine Reserve, die entweder für Fernsehprogramme oder für Ferngespräche geschaltet wer- den kann.

Arbeitskreis Regelungstechnik VDE/VDI. In Hamburg, dem Sitz bedeuten- der Unternehmen des Schiffs- und Maschinenbaues, der Erdöl-, der chemi- schen und der elektronischen Industrie, wurde der Arbeitskreis Regelungs- technik VDE/VDI gegründet. Er soll den Erfahrungsaustausch auf dem Gebiet der Regelungstechnik fördern sowie Vortrags- und Diskussionsveranstaltun- gen durchführen. Leiter des Ausschusses wurde Dr.-Ing. P. Thießen, Dozent an der Ingenieurschule Hamburg; weitere leitende Mitglieder sind die Her- ren J. von Bismarck (Honeywell) und A. Haidekker (Valvo).

Fernsehtestbildsendungen in Norddeutschland. Der Norddeutsche Rund- funk (NDR) teilt mit, daß die vom Fachhandel gewünschte Verlängerung der Testbild-Sendezeit wegen der laufenden Reparatur- und Überwachungs- arbeiten an den Fernsehsendern nicht möglich ist. Auf Bitten der Service- techniker wurde dem tagsüber ausgestrahlten Schachbrettmuster eine Grau- skala beigegeben, während dem Wunsch nach Ersatz des 1000-Hz-Meßtones zum Testbild durch ein Rundfunk- oder sonstiges Tonprogramm noch nicht entsprochen wurde.

Fernsehumsetzer in Lübeck in Betrieb. Die effektive Strahlungsleistung des Fernseh-Umsetzers in Lübeck wurde am 20. 12. 1957 durch Inbetrieb- nahme eines Wisi-Umsetzers auf 50 W verstärkt. Eine Abnahmeprüfung durch das Institut für Rundfunktechnik war der Installation vorausgegangen. Der Umsetzer empfängt im Kanal 9 den Fernsehsender Hamburg und strahlt im Kanal 7 mit 10 kHz Offset wieder aus. Durch eine Schaltautomatik wird die Endröhre der Leistungsstufe bei fehlendem Eingangssignal abgeschaltet.

Meteorbahnen als Reflektor für UKW-Sender. Auf kanadischen Vorarbeiten fußend haben Ingenieure von US-amerikanischen Firmen mit dem National Bureau of Standards eine Versuchs-Funklinie über rd. 1500 km mit 20-kW- Sendern im 40-MHz-Bereich errichtet, die ohne Zwischenrelais durch Reflek- tion des Richtfunkstrahles an ionisierten Meteorbahnen arbeitet. Man über- trägt Faksimile-Vorlagen nach einem Speichersystem, wobei der Sender alle Vorlagen pausenlos viele Male hintereinander ausstrahlt, während auf der Empfangsseite jeweils bei „geschlossenem Übertragungskreis“ eine Tfoto- grafische Aufzeichnung erfolgt. Geschlossen ist der Kreis, wenn eine aus- reichende lIonisierung der oberen Atmosphäre durch Meteordurchgänge erzielt wird, was im Durchschnitt mehrmals in jeder Minute der Fall ist.

Barium-Titanat-Tonabnehmer. Die General Electric Co. (USA) veröffent- lichte Informationen über ihren neuen Tonabnehmer mit einem Auflage- gewicht von 0,5 bis 2 Gramm (!). Anstelle des Kristall- oder elektromagne- tischen Systems ist eine 0,002 Zoll starke Scheibe aus Barium-Titanat mit 1000 pF Kapazität eingebaut. Die Ausgangsspannung beträgt 40 mV, und die Frequenzcharakteristik ist flach zwischen 20 und 20 000 Hz. Die Reso- nanz des Systems ist auf 40 kHz geschoben worden.

Die Laufzeit einer Fernseh-Rundfunkgenehmigung für Vorführzwecke wurde von der Bundespost auf 2 Wochen (bisher 4 Wochen) herabgesetzt. % Der schwedische Kurzwellendienst erbittet Empfangsbeobachtungen der deutschsprachigen Sendung auf 7210 kHz, täglich 21 Uhr, und des Kurz- wellensenders Motala auf 7270 kHz. Anschrift: Radio Schweden, Stock- holm 7. & Parallel zum Fernsehsender Biedenkopf des Hessischen Rund- funks in Kanal 5 arbeitet eine 750-W-Anlage in Kanal2 vom gleichen Stand- ort aus. Sie soll im Frühjahr auf 20 kW verstärkt werden (vgl. FUNK- SCHAU 1957, Heft 22, Kurz und Ultrakurz). x Der Deutsche Amateur- Radio-Club (DARC) zählte am Ende seines Geschäftsjahres 1956/57 ein- schließlich der angeschlossenen Verbände 7948 Mitglieder. 3868 DARC-Mit- glieder besitzen eine Sendelizenz, und im Berichtsjahr wurden 1,04 Millionen QSL-Karten vermittelt. x Ein englischer Fischdampfer wurde versuchsweise mit zwei Unterwasser-Fernsehkameras ausgerüstet; mit ihrer Hilfe lassen sich Fischschwärme beobachten. * Im Laufe dieses Jahres wird sich Jugo- slawien als 13. Land der „Eurovision“ anschließen. & 125 Millionen Dollar wird der Umsatz an Halbleitererzeugnissen im Jahre 1957 erreicht haben. 40 Firmen stellen jetzt Transistoren und Dioden her; die Preise fallen weiter. *& Bis Ende 1957 hat die österreichische Industrie 30 000 Fernseh- empfänger im eigenen Land verkauft. & Der Süddeutsche Rundfunk hat in Adelsheim/Baden und Gerabronn je einen Mittelwellensender mit 0,2 kW Leistung auf 1484 kHz = 202 m in Betrieb genommen; der Bayerische Rund- funk hat dagegen den Mittelwellen-Ortssender Weiden/Opf. stillgelegt, nachdem große Teile der Oberpfalz und Oberfrankens vom UKW-Sender auf dem Ochsenkopf gut versorgt werden. % Passau erhielt einen provi- sorischen Fernsehsender in Kanal 5, er wird in Kürze in Kanal 7 und dann endgültig in Kanal 9 arbeiten, jeweils mit vertikaler Antennenpolarisation. * In Australien scli zwischen den Städten Canberra, Melbourne und Sydney Koaxialkabel verlegt werden; auch deutsche Firmen bemühen sich um diese Aufträge. % 1956 erreichte der Anteil der Bundesrepublik am italienischen Import elektronischer Güter 45 °/. & Nach einer Untersuchung von „infratest“ gehen 65 °/s der deutschen Fernsehteilnehmer weniger ofi ins Kino als vor dem Erwerb ihres Empfangsgerätes. * Das Deutsche Reise- büro (DER) führt vom 14. Februar bis 1. März eine Studienreise für euro- päische Rundfunk- u. Fernseh-Kaufleute nach den USA durch; Preis 400 DM

Unser Titelbild: ver Präsident des DARC. Rudolf Rapcke, DL1 WA, an seiner Kurzwellenstation bei Aufnahmen zu dem Kulturfilm

„CQ-DX-Funkamateure“ (Real-Film)

FUNKSCHAU 1958/ Heft 2 47

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Heft2/FUNKSCHAU 1958 48

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FUNKSCHAU 1958 / Heft 2 49

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Aus dem FUNKSCHAU-Lexikon

OFFSET-BETRIEB

Dieser Begriff bezeichnet das Versetzen der Trägerfrequenzen von Fernsehsendern bei Gleich- kanalbetrieb; er geht auf das englische Wort „offset“ = Abzmeigung oder (im amerikanischen Sprachgebrauh) Vorsprung geben zurück.

Sobald zwei oder mehr Fernsehsender im glei- chen Kanal die genau gleichen Trägerfrequenzen benutzen, entsteht auf dem Bildschirm eines Empfängers, der ja alle Sender aufnimmt, ein störendes Moir6-Muster. Dessen Sichtbarkeit und damit der Grad der Empfangsstörung kann nun

Empfangsverbesserun o "8 | | 1 | |

02 A668 m TR MM 16 18 20 22 2ukliz

Frequenzversetzung

Das Optimum der Frequenzversetzung bei drei Sendern liegt bei 10,5 und 21 kHz

dadurch vermindert werden, daß man die Sen- der nicht genau auf der gleichen Trägerfrequenz arbeiten läßt. Die gegenseitige Verschiebung der Trägerfrequenzen ist am wirkungsvollsten, wenn man sie um den Betrag eines ungeraden Viel- fachen der halben Zeilenfrequenz (= 15625 Hz beim 625-Zeilen-Bild) vornimmt. Das ist im Mini- mum 4 Zeilenfrequenz = rund 7,75 kHz. In der Praxis ist außerdem Rücksicht auf dritte Sender im gleichen Kanal zu nehmen; Versuche ergaben als günstigsten Wert für das Versetzen der Trä- gerfrequenzen in diesem Falle 10,5 kHz oder ?/, der Zeilenfrequenz. Man wählt je nach den Ver- hältnissen + 10,5 kHz oder 10,5 kHz, so daß sich maximal ein Abstand von 2X10,5 = 21 kHz er- gibt. Die erreichbare Empfangsverbesserung beim Versetzen um 10,5 und 21 kHz ist im Bild durch die Linien A und B verdeutliht. Die Angabe „Empfangsverbesserung“ bezieht sich auf die Ver- größerung des Störabstandes der Gleichkanalsen- der am Empfangsort.

Zitate

Zum Hi Fi ist der „Hi-Tri“, der „Höhentriller“, gekommen, der als Bazillus durch Angabe infek- tiös übertragen wird und bisher als unheilbar gilt. „Hi-Tri's“ sind unter anderem daran zu er- kennen, daß sie sich bei schrillsten Zischgeräu- schen wohlig im Sessel zurüclehnen und genie- Berisch die Augen schließen (Schmeizer Schmal- film 1957, Heft 10, Seite 311).

Japan hat bereits einige Filmübertragungsanla- gen für Farbfernseh-Versuche gekauft und berei- tet den Farbfernseh-Versucsbetrieb vor. Japan wird nach den USA das zweite Land mit Farb- fernseh - Werbeprogrammen sein (Meade Brınet, Vizepräsident der Radio Corp. of America, auf einer Pressekonferenz anläßlich der Internationa- len Handelsmesse in Tokio).

Bei einer einzigen im Jahre 1955 durchgeführten Recherhe mußten annähernd 900 Literaturstellen gesichtet werden (Aus einem Bericht über die Tätigkeit der Alldephi-Literaturstelle in „Wir bei Philips“ VI/57).

Jede moderne Walfangexpedition verwendet elektronische Geräte in einem solchen Umfange, daß mehr als dreitausend Röhren täglich in Be- trieb sind (R. H. Sheppard: Electronics in Wha- ling, Brit. Comm. & Electr., Dezember 1956).

Um so bedenklicher ist, daß die Transistoren- fertigung in der DDR noch nicht annähernd den gewünschten Stand erreicht hat. Es gibt bei uns heute norh keine einzige Anwendung von Tran- sistoren in der Serienfertigung, da Transistoren eben noch nicht im nennenswerten Umfange pro- duziert werden (Zum Stand unserer Transistoren- fertigung, Radio u. Fernsehen, Heft 21, Nov. 1957).

Es ist durchaus möglich, Transformatoren zu entwickeln, die in einer Umgebungstemperatur bis zu -r 5000C ebenso betriebssicher arbeiten wie bei Zimmertemperatur. Der für die Wicklung benutzte Draht ist mit Glas isoliert, und für den Kern wird Siliziumstahl verwendet (Solid Cir- cuits, Wireless World, November 1957, S. 517).

Heft2/FUNKSCHAU 1958 50

we 5 = 2 =“

MIT FERNSEH-TECHNIK UND SCHALLPLATTE UND TONBAND FACHZEITSCHRIFT FÜR FUNKTECHNIKER

Wandlung des Amateurfunks

Das Amateur-Funkwesen hat sich im Laufe der vergangenen 30 Jahre weitgehend gewandelt. Von den weiten Bereichen der Kurzwellen, die den Amateuren anfangs zur Verfügung standen und auf denen sie als Pioniere tätig waren, sind als Aner- kennung der damaligen Verdienste nur noch einige schmale Streifen übrigblieben. Infolge des Bedarfs an Frequenzen für den eigentlichen Nachrichtendienst müssen die Amateure mit Hilfe ihrer Nachrichtenbehörden alle Möglichkeiten ausnutzen, um diese schmalen Bereiche zu behalten. Manche Bänder sind auch bereits durch andere Dienste berechtigt oder unberectigt zusätzlich belegt, so daß der Amateurver- kehr oft nur mit Schwierigkeiten abzuwickeln ist.

Entsprechend der Situation hat sich die Technik gewandelt. War es ehemals mög- lich, mit kleinsten und bescheidensten Anlagen weltweite Verbindungen zu erhalten, so ist dies heute, besonders bei Telefonie, nur mit großem Aufwand möglich. Das technische Bastel-Hobby, dem die Funktechnik in der Anfangszeit mancherlei ver- dankte, wird bedauerlicherweise nicht mehr von allen Amateuren gepflegt. Ehedem waren die Haupttriebfedern die Freude an der neuen Technik und das Interesse an der Entdeckung immer neuer Verkehrsmöglichkeiten. Heute werden sehr viele Men- schen Amateurfunker wegen der Möglichkeit, vom privaten Bereich aus mit allen Ländern der Erde in Verbindung treten zu können. Der Amateurfunk ist sozusagen in weitestem Maße die komfortable Unterhaltung mit Freunden in der Ferne vom eigenen Heim aus geworden, sei es in Morsefunk für die darin Geübten oder in Telefonie in den verschiedensten Sprachen zur Herstellung eines besonderen per- sönlichen Kontaktes. Die Technik wird heute von vielen Amateuren nur als Mittel zum Zweck angesehen. Entsprechend hat sich auch die Schichtung der Amateure ver- ändert, Sie setzen sich aus allen Berufen und Gesellschaftsschichten zusammen, unter denen auch die Techniker einen großen Anteil bilden.

Die Aimateurfunker aller Welt betrachten sich nach wie vor als eine große Familie und halten es für ihr Privileg, gesellschaftlich in einer Form miteinander zwanglos zu verkehren, die im persönlichen Umgang nicht unbedingt üblich ist. In unserer heute so anonymen Welt des persönlichen Einsamseins empfinden die Amateure ihren Funkverkehr mit Gleichgesinnten in weitgehend formloser Art als Entspannung von der Hast und Hetze der Zeit.

Viele Varianten und sportliche Wettbewerbe aller Art bereichern die Betätigungs- möglichkeiten. Reizvoll bleibt für viele die sog. DX-Tätigkeit mit dem Sammeln von Bestätigungen für Funkverbindungen mit möglichst vielen, davon zum Teil sehr selten erreichbaren Ländern. Auch die Tätigkeit auf den Ultrakurzwellenbereichen, die Ausnutzung besonderer Übertragungsmöglichkeiten infolge eigenartigen Verhaltens der Troposphäre und Ionosphäre ist für viele sehr interessant. Dazu kommen Erpro- bungen neuerer Modulationsverfahren (Schmalbandmodulation, Einseitenbandmodu- lation usw.) Viele Amateure interessieren sich wie auch früher im wesentlichen für die Technik des Funkwesens und machen Verbindungen nur zu dem sekundären Zweck der Bestätigung der Richtigkeit ihrer technischen Überlegungen. Diese Ama- teure werden auch weiterhin selbst praktisch am Aufbau ihrer Stationsgeräte arbeiten.

Mit der im Laufe der Zeit erfolgten Wandlung des Amateurfunks hat sich eine recht beachtliche Industrie (besonders in Amerika und England) entwickelt, die Geräte und Anlagen hoher Güte bereitstellt, mit denen auch für den weniger technisch Bewan- derten ein sicherer Amateurfunkverkehr möglich ist.

Wegen der ständig steigenden Zahl der Amateure und der immer dichter werden- den Belegung der Bänder verschafft sich in erster Linie derjenige Gehör, der über eine gute technische Einrichtung verfügt. Da in den meisten Ländern mit Rücksicht auf die Störung anderer Funkdienste die den Amateuren gestatteten Sendeleistungen beschränkt sind, versucht man vor allem durch Aufbau geeigneter, hochleistungs- fähiger Richtantennen das wettzumachen, was an Energie fehlt. Damit stören sich Sender bzw. Empfänger in der Nähe weniger, und die in verschiedenen Richtungen abgestrahlten Frequenzen können sich auch weniger gegenseitig beeinflussen.

Der Amateurfunk ist heute zu einem Hobby wie es viele andere gibt gewor- den, das zudem bei Katastrophen und Notständen wertvolle menschliche Hilfe leisten kann. Der Hauptwert liegt aber darin, daß der Amateurfunk die Menschen über Grenzen und Meere miteinander verbindet und somit zur Verständigung und zum Verstehen untereinander beiträgt. Die Industrie erhält vom Amateurfunk manche Anregungen, und sie findet für den technischen Nachwuchs unter den jungen Ama- teuren viele, die eine echte Begeisterung für die Technik und ihre Möglichkeiten mit- bringen. Infolge der großen Zahl der Amateurfunker in der ganzen Welt (150 000) stellen sie auch bereits einen erheblichen wirtschaftlichen Faktor für die Funk- Industrie dar.

Wir sollten ihnen Beachtung schenken und Hilfe angedeihen lassen, wo es mög- lich ist R. Auerbach, DL1FK

51

Nr. 2

30. Jahrg. 2. Januar-Heft 1958

Aus dem Inhalt:

Wandlung des Amateurfunks

Das Neueste aus Radio- und Fernseh- technik: Neue und leistungsfähigere Dauermagnete; Reiseempfänger mit Frischhalte-Regenerierung der Batterien; Neue Fernsehübertragungswagen beim Süddeutschen Rundfunk

Frequenzweichen für kombinierte Emp- fangsantennen

Radio-Patentschau

Satelliten-Beobachtungen in aller Welt ..

Amateurmäßige Funkbeobachtung des ersten Erdsatelliten

Abstimmanzeige auf der Fernseh-Bild- röhre: Der neue Bildkompaß von Blau- punkt

Gegensprechanlage mit Transistor- verstärkern

Die Berechnung von Drosseln, Netztrans- formatoren und Nf-Übertragern (1. Fort- setzung)

Kleiner Dämmerungsschalter ...

Schallplatte und Tonband: Die Massenvervielfältigung von Tonbandaufnahmen Dia-Projektor und Tonband Vorführung von Tonbändern alter Spurlage Mangelhaftes Löschen bei Bandauf- nahmen Aussteuerungsenzeiger mit Germanium- diode Illustrierte Schallplatten .............. 46 Klassiker-Volksausgabe auf Philips- Schallplatten

FUNKSCHAU-Schaltungssammlung: Philips-FM-Meßgenerator Typ GM 2890 47

Vorschläge für die Werkstattpraxis

Fernseh-Service

Neue Geräte / Neuerungen / Röhren und Kristalloden / Kundendienstschriften

Aus Industrie und Handel

Persönliches

Dieses Heft enthält außerdem die Funktech- nischen Arbeitsblätter: Wk 11, 2. Ausgabe Elektrische Eigen- schaften von Metallen und Legierungen Blatt 1 und 2

Weitere Beilage: RÖHREN-DOKUMENTE Nr. 7

Herausgegeben vom

FRANZIS-VERLAG MÜNCHEN Verlag der G. Franz'schen Buchdruckerei G. Emil Mayer Verlagsleitung: Erich Schwandt Redaktion: Otto Limann, Karl Tetzner Anzeigenleiter u. stellvertretender Verlagsleiter: Paul Walde

Erscheint zweimal monatlich, und zwar am 5. und 20 eines jed. Monats. Zu beziehen durch den Buch- u. Zeit- schriftenhandel, unmittelbar vom Verlag u. durch die Past. Monats-Bezugspreis 2.40 DM (einschl. Postzeitungsge- bühr) zuzügl. 6 Pfg. Zustellgebühr. Preis des Einzel- heftes 1.20 DM.

Redaktion, Vertrieb und Anzeigenverwaltung: Franzis- Verlag, München 2, Karlstr. 35. Fernruf 55 16 25/26/27. Postscheckkonto München 5758.

Hamburger Redaktion: Hamburg - Bramfeld, Erbsen- kamp 22a Fernruf 63 79 64

Berliner Geschäftsstelle: Bln.-Friedenau, Grazer Damm 155. Fernruf 71 67 68 Postscheckk.: Berlin-West Nr. 622 66. Vertretung im Saargebiet: Ludwig Schubert, Neunkir- chen (Saar), Stummstraße 15.

Verantwortlich für den Textteil: Ing. Otto Limann; für den Anzeigenteil: Paul Walde, München. Anzeigen- preise nach Preisliste Nr. 8.

Verantwortlich für die Osterreich-Ausgabe: Ing. Ludwig Ratheiser, Wien.

Auslandsvertreiungen: Belgien: De Internationale Pers, Berchem-Antwerpen, Cogels-Osylei 40. Niederlande: De Muiderkring, Bussum, Nijverheidswerf 19-21. Österreich: Verlag Ing. Walter Erb, Wien VI, Maria- hilfer Straße 71. Schweiz: Verlag H. Thali & Cie.. Hitzkirch (Luzern).

Alleiniges Nachdruckredit, auch auszugsweise, für Hol- land wurde dem Radio Bulletin, Bussum, für Österreich Herrn Ingenieur Ludwig Ratheiser, Wien, übertragen.

Druck: G. Franz’sche Buchdrucerei G. Emil

Mayer, (13b) München 2, Karlstr. 35. Fern-

sprecher: 55 1625. Die FUNKSCHAU ist der

IVW angeschlossen.

D AS N E U E sST E aus Radio- und Fernsehtechnik

Neue und leistungsfähigere Dauermagnete

Die Güte eines magnetischen Werkstoffes läßt sich durch die Größe des Produktes der Induktion B und der Feldstärke H beim Durchlaufen der Entmagnetisierungskurve bezeichnen. BxX H ist die magnetische En- ergie, die je Volumeneinheit des Werkstoffes in einem Magnetfeld erzeugt werden kann. Geht man von einer verlangten magnetischen Gesamtenergie aus, so vermindert sich mit steigendem Wert (BH)max das Volumen. Neue magnetische Werkstoffe, die in der jetzten Zeit sowohl in den Laboratorien der General Electric Co. (USA) als auch in den Philips- Laboratorien in Eindhoven gefunden wur- den, gaben Veranlassung, in der Zeitschrift „Philips Technishe Rundschau“, 1957/58, Heft 1, magnetische Werkstoffe zusammen- zustellen, deren Volumen so gewählt wurde, daß die gesamte magnetische Energie für alle Magnete gleich groß ist, auch der Fluß

| 08» B8® 1 2 3 4

56738

Diese acht Magnete besitzen sämtlich die gleiche

magnetische Energie (BH) „gr; auch der Fluß und

die magneimotorische Kraft sind gleich. Angaben über die einzelnen Werkstoffe siehe Tabelle

Jahr Nr. | der im |Ent- Bezeichnung H Bild |dek- a

kung n

Oersted| jn

Kohlenstoffstahl |10000

Wolframstahl 11000

Kobaltstahl 35 %/o (Honda)

NiAl-Legierung (Mishima)

Ticonal II

Ticonal G (anisotrop)

Ticonal GG (kristallorientiert)

Magnetische Eigenschaften

im optimalen Arbeitspunkt

Oer- Gauß | sted

(B x Querschnitt) und die magnetomoto- rische Kraft (H x Länge) sind gleich.

Die Eigenschaften dieser verschiedenen Werkstoffe 1 bis 8, deren Entwicklung im Jahre 1880 begann, sind in der Tabelle auf- geführt. Der Größenvergleich ist im Bild dar- gestellt, Der erwähnte, von der General Elec- tric Co. gefundene neue Werkstoff ist eine Kobalt-Platinlegierung, die einer Wärme- behandlung unterzogen wurde, bei der eine Ordnung des Kristallgitters erfolgt. (BH)max konnte auf 9 X10% Gauß x Oersted gestei- gert werden allerdings verhindert der sehr hohe Preis des Materials eine breite Anwen- dung. Jetzt gelang es den Philips-Laborato- rien, den früher entwickelten Stahl „Tico- nal X* durch Verwendung hochreiner Werk- stoffe wie Nickel, Eisen, Aluminium, Kobalt, Titan und Kupfer, durch gerichtete Erstar- rung der Legierung (magnetische Vorzugs- richtung) und Schmelzen in einer schützenden Atmosphäre so zu verbessern, daß (BH)max auf 11 x 10° Gauß x Oersted gesteigert wer- den konnte (Nr. 8 im Bild). Der neue Werk- stoff heißt „Ticonal XX“, er ist bislang nur in Laboratoriumsmengen hergestellt worden.

-T

Reiseempfänger mit Frischhhalte- Regenerierung der Batterien

Unter der Bezeichnung „Bajazzo 8“ hat Telefunken seinen Batteriesuper mit UKW mit einer Reihe von Verbesserungen her- ausgebracht. Die wesentlichen Veränderun- gen sind: 1. Umstellung auf eine Gegentakt- endstufe mit zwei DL 94 mit etwa 1 W Spreclleistung, 2. Steigerung der UKW- Empfindlichkeit durch eine Schaltungsände- rung im UKW-Kästchen, die dessen Ver- stärkung um den Faktor 2 erhöht, 3. Das bisherige Batterie - Regeneriersystem wurde

Abmessungen der Magnete

Bemerkungen

Gauß x Oersted

Länge in mm

1 8 | Gewicht ing

oa

fast identisch mit Chromstahl

fe jr a D” D

| |

anfangs sehr teuer (wegen Kobalt- gehalt)

japanische Entwicklung

Legierung aus Nickel, Kobalt, Aluminium, Kup- fer, Eisen mit Ti- tanzusatz

mit Kristall-Vor- zugsorientierung. Größere Mengen halten einen Wert (BH) „ux von = 7x106 Gauß x Oersted

Ticonal X

9000 | 1250 (hohe Koerzität)

nicht im Bild ge- zeigt

Ticonal XX1) 11800 | 1315

!) Nur in Laboratoriumsmengen hergestellt

30

(siehe Text)

durch eine zusätzliche Frischhalte-Regenerie- rung so vervollkommnet, daß die Anoden- batterie je nach Type und Betriebsart bis zu 600 Empfangsstunden leistet. Damit kostet eine Betriebsstunde nur 3 Pfennig.

Die Batterie-Regenerierung geht während des Betriebes des Empfängers am Netz vor sich. Dabei werden durch eine besondere Schaltung genau dosierte Ströme abgezweigt, die sämtliche im Gerät angeschlossenen Trockenbatterien in entgegengesetzter Rich- tung des Entladestromes durchlaufen. Sie heben nicht nur den durch die Lagerzeit bedingten Batterieabbau auf, sondern bewir- ken auch einen teilweisen Wiederaufbau der durch die Entladungen abgebauten Zellen- stoffe. Der positive Pol des Elements wird von dem teilweise reduzierten Mangandioxyd gesäubert, wodurch hochaktive Manganoxyde (Braunstein) als Depolarisator wieder zur Verfügung stehen. Gleichzeitig wird der

'Elektrolyt von den während der Entladung

und Lagerung gebildeten Zinksalzen befreit, deren Zinkgehalt teilweise wieder auf dem Zinkbecher niedergeschlagen wird. Gleich- zeitig wird auch die Oxydhaut auf der Zink- wand reduziert. Bei Luftsauerstoffbatterien ist der Regeneriereffekt besonders deutlich, weil die Aktivkohle durch den Stromdurch- gang mit Sauerstoff angereichert wird, was eine Steigerung ihrer Wirkung als Depolari- sator ergibt.

Das Gerät ist mit einer Anodenbatterie mit 90 V Spannung ausgestattet. Der Heiz- strom wird von einer Deac-Zelle D 4,5 ge- liefert. Beim Batteriebetrieb kann die End- leistung des Gerätes zur Schonung der Bat- terien durch Umschalten mit einer Taste auch nur teilweise in Anspruch genommen werden. Mit Hilfe eines besonderen Strom- versorgungsgerätes kann der Empfänger an die Autobatterie angeschlossen werden.

Neue Fernseh-Übertragungswagen beim Süddeutschen Rundfunk

Der Süddeutsche Rundfunk hat einen Fern- seh-Zug in Betrieb genommen, der wegen der Straßenverhältnisse im Sendebereich auf zwei Fahrzeuge mittlerer Größe auf- geteilt wurde. Der Aufbau der Übertragungs- einrichtungen erfolgte auf zwei Büssing- Trambus-Fahrgestelle von je 4,5 t, die eine besonders günstige Raumausnutzung ermög- lichten.

Der elektrische Innenausbau beider Fahr- zeuge wurde von der Siemens & Halske AG ausgeführt. Der 1 ist als Regiewagen eingerichtet. In ihm geht ein Regietisch über die ganze Breite des Fahrzeuges, an dem der Toningenieur, der Regisseur und die Bildmischerin Platz finden. Das Fahrzeug enthält zehn Mikrofonkanäle, die über eine Ton-Mischwanne auf einen oder zwei ge- trennte Ausgänge arbeiten können. Für den Fernsehbetrieb sowie für die synchrone Tonaufzeichnung bei Filmaufnahmen stehen zwei durch Pilot-Ton gesteuerte Magneto- phone M 5 und zwei Minicord-Geräte zur Verfügung. Eine umfangreiche Kommando- anlage sowie eine Playback-Einrichtung und eine Konferenzschaltungsmöglichkeit mit mehreren Fernseh - Übertragungswagen an- derer Stationen sichern die vielseitigste Ver- wendungsmöglichkeit des Fahrzeuges.

Der 2 dient als Kamerakontroll- und Endkontrollwagen. Er enthält quer zur Fahr- richtung in Gestellen die Verstärker- und Kontrollorgane für drei Kamerazüge auf Teleskopschienen, dazu noch weitere Geräte wie Taktgeber, Impulsverteiler, Bildmischer, BAS-Verteiler usw. Außer den fest einge- bauten Kamerazügen ist der wahlweise Anschluß eines eingebauten Vidikon-Film- abtasters oder einer Vidikon-Kamera mög- lich. Fremde Bildquellen können angeschlos- sen und gemischt werden.

Heft2/FUNKSCHAU 1958

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Frequenzweichen für kombinierte Empfangsantennen

Von Dr. A.Renardy

In dem folgenden Beitrag werden das Prinzip und die wichtigsten Formeln für Frequenz-

meichen von UKW-Antennen in einer für den Praktiker bestimmten Form erläutert, ohne

dabei auf die verwickelten mathematischen Beziehungen der Siebketten-Theorie einzugehen,

Zum Schluß werden die Daten einer Frequenzweiche für das UKW-Rundfunkband und das Fernsehband III gegeben.

Je mehr Frequenzbänder im Meter- und Dezimeterbereich für Rundfunk und Fern- sehen in Benutzung genommen werden, um so schwieriger gestaltet sich das Antennen- problem, weil in diesen Bereichen mit ab- gestimmten Antennen gearbeitet wird, wäh- rend im Kurz-, Mittel- und Langwellenbereich aus naheliegenden Gründen die unabge- stimmte Empfangsantenne gebräuchlich ist. Jede der abgestimmten Antennen würde eine besondere Ableitung benötigen, wenn es nicht Mittel und Wege gäbe, trotz ver- schiedener Bereiche (Band I, II und III) eine gemeinsame Ableitung zu verwenden. Der gemeinsame Nenner der abgestimmten An- tennen für verschiedene Frequenzbereiche, der Antennenableitungen und Empfänger- eingänge ist der Anpassungswiderstand, der normalerweise 60 Q beträgt, wenn Koaxial- kabel verwendet wird, und 240 Q bei Band- kabel. Dieser Widerstandswert tritt als Fußpunktwiderstand der Antenne, als Im- pedanz des verwendeten Ableitungskabels und als Eingangswiderstand des angeschlos- senen Empfängers auf.

Frequenzweichen aus Hoch- und Tiefpaßfiltern

In einer Anordnung nach Bild 1 wird die Empfangsspannung eines Fernsehsenders im Band III über ein Hochpaßfilter auf das

Fernseh- Band 7 Bild 1. Schema des An- schlusses von Frequenz- meichen

gemeinsame Bandkabel mit der Impedanz 240 Q gegeben und vor dem Empfängerein- gang durch ein gleiches Filter wieder ent- nommen. Die an der anderen Antenne her- vorgebrachten Empfangsspannungen von UKW-Rundfunksendern im Band II gelangen über ein Tiefpaßfilter zur gemeinsamen Ableitung und werden ihr nahe dem Emp- fängereingang durch ein Tiefpaßfilter wieder entnommen.

Die Hochpaßfilter lassen Frequenzen des Bandes III durch und sperren solche des Bandes II. Umgekehrt sperren die Tiefpaß- filter Frequenzen des Bandes III und lassen die des Bandes II durch. Da das Bandkabel an seinen beiden Enden mit einem Wider- stand von 240 Q abgeschlossen sein muß, der vom Fußpunktwiderstand der Antenne und vom Eingangswiderstand des Empfän- gers gebildet wird, muß die Eingangs- und Ausgangsimpedanz der Hoch- und Tiefpaß- filter ebenfalls 240 Q betragen.

Durch die Verzweigung der Leitungen vom Bandkabel zu den Filtern tritt keine Impe- danzwandlung ein, denn das Hochpaßfilter besitzt nur für Frequenzen des Bandes III und höhere eine Impedanz von 240 Q; für Band II ist seine Impedanz sehr groß und deshalb parallel zur Impedanz des Tiefpaß- filters zu vernachlässigen. Tatsächlich liegen zwei Widerstände von je 240 Q parallel, doch ist jeder von ihnen nur in einem be-

FUNKSCHAU 1958 /Heft2

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EN

stimmten Frequenzgebiet wirksam, so daß für eine einzelne Frequenz im Band III oder II die Impedanz stets 240 @ beträgt.

Allerdings verursacht die Zusammenschal- tung von je zwei Hoch- und Tiefpaßfiltern an ein Kabel eine Dämpfung, die nötigen- falls durch einen aperiodischen Breitband- verstärker ausgeglichen werden muß. In der Regel dürfte es aber so sein, daß durch günstige Aufstellung einer kombinierten Antenne für die Bänder II und III so hohe Empfangsspannungen gewonnen werden, daß trotz der Dämpfung durch gemeinsame Ableitung gegenüber den in den Empfängern eingebauten Antennen ein wesentlicher Ge- winn übrigbleibt.

Beide Empfänger, der Fernsehempfänger und der UKW-Empfänger, können ständig angeschlossen bleiben, weil ihr Eingangs- widerstand Kabel und Filter richtig ab- schließt, doch dürfte es nicht ratsam sein, beide Geräte gleichzeitig zu betreiben. Durch die Verbindung der beiden Eingänge würde es beispielsweise trotz Strahlungssicherheit des UKW-Empfängers nicht gelingen, Ober- wellen des UKW-Oszillators vom Eingang des Fernsehempfängers fortzuhalten.

Tiefpaßfilter

Die einfachste Form eines Tiefpaßfilters, wie es in der Anordnung nach Bild 1 ver-

Hochpaß- filter Tiefpaß-

filter

wendet werden kann, zeigt Bild 2a. Hier liegt die Spule L im Zuge der oberen Ver- bindung vom Eingang zum Ausgang, der Kondensator C befindet sich zwischen den beiden Leitungen. Wie Bild 2b erkennen läßt, werden Frequenzen unterhalb der sog. Grenzfrequenz f, durchgelassen, weil der induktive Widerstand der Selbstinduktions- spule L für sie nicht ins Gewicht fällt und der kapazitive Widerstand des Konden- sators C sehr groß ist. Dieser Zustand än- dert sich aber grundlegend, wenn induk- tiver und kapazitiver Widerstand ungefähr gleiche Größe erreichen.

Fernseh- Empfänger

UKW -Rundfunk- Empfänger

Diejenige Frequenz, bei der sie gleich groß sind, bezeichnet man als Grenzfrequenz. Bei ihr tritt am Ausgang des Filters von der am Eingang herrschenden Spannung |l nur mehr der durch das Produkt || - 0,707, das sind rund 70 %, gegebene Bruchteil auf. Dabei sei ausdrücklich darauf hingewiesen, daß.die Kurve Bild 2b nur gilt, wenn Ein- gang und Ausgang des Filters mit dem Wellenwiderstand Z abgeschlossen sind, von dem im nächsten Abschnitt die Rede ist. Im Leerlauf stellt eine Anordnung nach Bild 2a einen Serienresonanzkreis dar, der eine Resonanzkurve aufweist.

Zur Berechnung eines solchen Tiefpaßfil- ters wird zweckmäßig davon ausgegangen, daß seine Eingangsimpedanz Z, gleich seiner Ausgangsimpedanz Z, sein muß und beide

gleich der Impedanz Z des angeschlossenen Bandkabels sein müssen:

= 4=2=)\/o m

Bei der erwünschten Grenzfrequenz f, muß der induktive Widerstand der Spule L des Filters gleich dem kapazitiven Wider- stand des Kondensators C des Filters sein:

4

2n fe L= ne 2n.f,'C

(2) Die Auflösung dieser Gleichung nad fz, ergibt die bekannte Thomsonsche Gleichung:

1 2n-yL-C' wobei sich f, in Hertz ergibt, wenn L in Henry und C in Farad eingesetzt werden.

Die Grenzfrequenz f, ließe sich mit einer beliebig großen Zahl von Werten für L und C erreichen, wenn jeweils nur die Bedingung erfüllt wäre, daß das Produkt von L und C immer den gleichen Wert ergäbe. Aus den zahlreichen möglichen Werten für L und C sind diejenigen herauszusuchen, die den Bedingungen der Formel (1) genügen, d. h. der Wert von L und C muß derart sein, daß die Wurzel aus dem Quotienten Z ergibt.

Eine einfache Überlegung führt zu diesem Ziel. Zur Vermeidung von Reflexionen müs- sen Bandkabel, Antenne und Empfängerein- gang mit einem Wirkwiderstand von der Größe Z abgeschlossen sein. Da eine Spule oder eine Kapazität als Abschluß einen in- duktiven bzw. kapazitiven Blindwiderstand darstellen würden, kombiniert man beide, so daß bei f, die Phasenverschiebung durch den induktiven Widerstand Rj vom kapa-

fg = (8)

zitiven Widerstand Rc ausgeglichen wird. Es muß also sein Z=R,= Ro Z= RL = 2nfg-L zZ 4 Or (4) 1 Z=R = & 2n'fz-C 1 = (5) 21° fg -Z L u ' NZ C I E, t \ T a. f— fg d b

Bild 2. Einfaches Tiefpaßfilter mit Durchlaßkurve

Bild 3. Einfaches Hochpaßfilter mit Durchlaßkurve

Hochpaßfilter

Die einfachste Form eines Hochpaßfilters zeigt Bild 3a. Hier liegt der Kondensator C im Zuge der oberen Leitung und die Spule L zwischen beiden Leitungen. Für tiefe Frequenzen bietet C einen hohen kapazi- tiven Widerstand und L einen geringen induktiven Widerstand; tiefe Frequenzen werden je tiefer um so weniger durchge- lassen. Von der Frequenz an, bei der der

3]

Antennen-Weichen

Fernseh | 7, BandIT

Koaxialkabel Z=602

Bild 4. Frequenz- meichen aus einfachen Hoch- und Tiefpaßfiltern

kapazitive Widerstand von C gleich dem induktiven von L ist, ändert sich das Bild. Jetzt ist der kapazitive Widerstand gering und der induktive groß. Es ergibt sich die in Bild 3b gezeigte Durchlaßkurve.

Bei der Grenzfrequenz f, ist der induk- tive Widerstand von L gleich dem kapazi- tiven von C, so daß zur Berechnung von f; die Formeln (2) und (3) herangezogen wer- den müssen. Die erforderlichen Größen von L und C werden nach (4) und (5) berechnet. Man erkennt, daß bei gleicher Grenzfrequenz Spulen und Kondensatoren von Hoch- und Tiefpaßfiltern gleiche elektrische Größen aufweisen. Der Unterschied zwischen beiden Arten von Filtern liegt allein in der ver- tauschten Lage von L und C.

Einfache Frequenzweiche für Koaxialkabei

Mit den bisher gewonnenen Erkenntnissen läßt sich eine Anordnung nach Bild 4 ver- stehen und berechnen. Alle dabei verwen- deten Spulen L sind untereinander gleich, was auch bei den Kondensatoren C der Fall ist. Gegenüber der Anordnung Bild 1 besteht allerdings ein Unterschied. Statt 240-0 -Bandkabel wird Koaxialkabel ver- wendet, das die Impedanz von 60 Q auf- weist. Infolgedessen muß der Fußpunkt- widerstand der beiden Antennen und der Eingangswiderstand der beiden Empfänger ebenfalls 60 Q betragen. Die vier eingezeich- neten Filter sind unsymmetrisch aufgebaut, wie es auch bei den zuvor besprochenen der Fall ist; ein in einer Leitung zwischen Ein- gang und Ausgang liegendes Schaltelement kommt in der anderen nicht vor. Das wäre im vorliegenden Falle aber auch nicht ange- bracht, weil ein Leiter des Koaxialkabels, der Mantel, geerdet ist. Die Bezeichnung Z =600Q an den Dipolantennen soll andeu- ten, daß der symmetrische Faltdipol auf 60 Q unsymmetrisch transformiert wurde.

Die Wirkung der nach Bild 4 zusammen- geschalteten Hoch- und Tiefpaßfilter stellt Bild 5 recht anschaulich dar. Beide Arten

E 2L L HL a Z=]j/ 2c Tec HC VL u

2 L L 172 Bild 6. Vielgliedrige Tiefpaßfilter

am Ende offenes Stück Bandkabel

das gleiche Stück Bandkabel am Ende geschlossen

Bild 7. Schema der Messung von L und C bei Bandkabeln

32

Fernseh- 608 Empfänger

—r

Rechts: Bild 5. Durchlaßkurve einer Frequenz- weiche mit der Grenzfrequenz

140 MHz 60

UKW- 2609 _ £ mpfänger

von Filtern weisen die gleiche Grenzfrequenz f, auf, nämlich 140 MHz. Am Ausgang des Tiefpaßfilters treten Frequenzen kleiner als 140 MHz mit erheblicher Spannung auf, so daß hier der UKW-Empfänger für das Band 88...100 MHz angeschlossen wird, während die Frequenzen höher als 140 MHz am Aus- gang des Hochpaßfilters erhebliche Span- nungen hervorbringen; hier ist der im Be-

reich 174...216 MHz arbeitende Fernseh- empfänger anzuschließen. Es erhebt sich die Frage, ob auf die

gleiche Art nicht Antennen verschiedenen Fußpunktwiderstandes und Empfänger un- terschiedlichen Eingangswiderstandes zu- sammengeschaltet werden können. Grund- sätzlich gibt es auch für diesen Fall eine Lösung, wenn nämlich der von der Impe- danz des Kabels und der Filter abweichende Fußpunkt- oder Eingangswiderstand auf die Impedanz des Kabels transformiert wird. Über die dabei zur Verfügung stehenden Mittel gibt die im Literaturverzeichnis an- geführte Arbeit von O. Limann erschöpfend Auskunft. Allerdings ergibt sich die für die Praxis schwerwiegende Frage, ob das Maß der Dämpfung noch tragbar ist, selbst wenn es gelingen sollte, die Transformation re- flexionsfrei zu gestalten.

Vielgliederige Tiefpaßfilter

In der Praxis werden Filter aus je einer Spule und einem Kondensator kaum ver- wendet, weil es durch die Zusammenschal- tung mehrerer solcher Glieder verhältnis- mäßig einfach gelingt, die Flanke des ab- fallenden Astes der Durchlaßkurve eines Filters steiler zu gestalten und den Unter- schied zwischen durchtretender und gesperr- ter Spannung beiderseits der Grenzfrequenz zu vergrößern. Man verwendet Filter, die nach Bild 6 geschaltet sind, wobei Bild 6a ein unsymmetrisches Tiefpaßfilter aus drei Spulen und zwei Kondensatoren, Bild 6b und 6c symmetrische Filter aus sechs bzw. acht Spulen und zwei bzw. drei Konden- satoren zeigen.

Zur Berechnung solcher Filter geht man zweckmäßig von der Überlegung aus, wie die Impedanz von Bandkabel zustande kommt und wie sie gemessen wird. Formel (1) läßt erkennen, daß der Wert der Impe- danz gleich der Wurzel aus dem Bruch ist, der die Selbstinduktion L der Leitungen des Kabels als Zähler und die Größe der Kapazität C zwischen beiden Leitungen als Nenner hat. Nach Bild 7 wird die Kapazität C zwischen den Leitern eines Stückes Band- kabel gemessen, wobei das vom Kapazitäts- meßgerät abgewandte Ende offen bleibt. Mit dem Selbstinduktionsmeßgerät wird L bei geschlossenem Ende gemessen. Es ist Sache der Hersteller, der Stärke der Leiter und ihren Abstand unter Berücksichtigung der Dielektrizitätskonstante des Isolators so zu bemessen, daß die geforderte Impedanz erreicht wird. Ihr Wert ist unabhängig von der Länge des jeweils verwendeten Kabels, weil die Werte von L und C mit der nach Formel (1) geforderten Proportionalität stei- gen oder fallen.

Der in Bild 7 zwischen die beiden Lei- tungen geschaltete Kondensator C läßt er-

Tiefpaß-Filter

Hochpaß-Filter

Fernsehband I

UKW-BandII

80 200 120 140 160 780

200 220 240MHz —f

kennen, daß die zwischen den Leitern auf- tretende Kapazität um seinen Wert ver- größert wird. In der gleichen Weise wird die Selbstinduktion im unteren Beispiel um die der Spule L vergrößert. Wird aber ein Kondensator geeigneter Größe zwischen beide Leitungen gelegt und eine Spule ge- eigneter Größe in eine der Leitungen, so heben sich ihre Wirkungen auf die Größe der Impedanz des Kabels auf. Die Selbst- induktion der Spule vergrößert den Zähler des Bruches in der Formel (1), die Kapazi- tät des Kondensators C den Nenner. Ist nun der induktive Widerstand der Spule gleich dem kapazitiven Widerstand des Konden- sators, so werden Zähler und Nenner des Bruches um den gleichen Betrag größer, der Wert des Bruches und damit die errechnete Impedanz bleiben gleich. Mit Hilfe dieser einfachen Überlegung gelingt es ohne wei- teres, beliebige vielgliedrigee Hoch- und Tiefpaßfilter zu berechnen.

In Bild 6a wird mit Größen von L und C gearbeitet, die sich aus den<